Ich bin Sara*, 26 Jahre alt. Geboren bin ich im Süden der arabischen Halbinsel, dort bin ich aufgewachsen und habe mein Bachelorstudium in Wirtschaft abgeschlossen. Gearbeitet habe ich als Kauffrau. Also ein ganz normales Leben, bis der Krieg alles zerstörte.
Vor 16 Monaten habe ich meine Heimat verlassen. Ich habe mich, zusammen mit einer mir sehr nahestehenden Person, auf eine Reise ins Ungewisse begeben. Ohne zu wissen, wann ich meine Familie wiedersehe.

Als wir dann genug Geld zusammengespart hatten, sind wir mit dem Boot nach Griechenland gefahren. 6 Stunden Fahrt. Die ganze Sicherheit lag in der Schwimmweste. Es gab kaum Platz, um sich zu bewegen. Das Boot war überfüllt. Für die Fahrt hatten wir 2100 $ bezahlt.

Wir kamen am Morgen auf der Insel Samos an und mussten gleich darauf 5 Stunden zu Fuß gehen. Der Weg war sehr beschwerlich. Es ging bergauf und bergab. Auf dem Weg bekamen wir etwas Essen und Trinken von freiwilligen HelferInnen. Wir selber hatten überhaupt keine persönlichen Sachen mit. Gepäck darf man auf keines der Schlauchboote mitnehmen.

Diese Nacht mussten wir am Strand schlafen, mit hunderten anderen flüchtenden Menschen. Am nächsten Tag wurden wir von einem Bus abgeholt und kamen in ein Camp. War man einmal drinnen, kam man nicht mehr raus. Man musste im Camp bleiben. Es gab 2 Mal am Tag Essen. Morgens gab es nichts, Mittagessen und Abendessen wurden ausgeteilt. Dort waren wir 7 Tage. Dann haben wir uns ein Ticket gekauft und sind mit dem Schiff nach Athen gefahren. Die Fahrt dauerte 12 Stunden. Mit dem Schlepper ging es weiter nach Mazedonien. Dann wieder 4-5 Stunden Fußweg, immer weiter der Gruppe nach. Ohne Pause. Dann besorgten wir uns wieder ein Ticket, diesmal nach Serbien. Es folgte wieder unendlicher Fußweg. Zwischendurch gab es immer ein bisschen Essen von der Polizei oder freiwilligen HelferInnen.
In Serbien haben wir uns mit anderen Familien ein Zimmer gemietet. Jeder musste € 10 zahlen. Dort konnten wir uns endlich ein bisschen ausruhen. Zwei Tage haben wir dann auf der Wiese in einem Zelt geschlafen. Es hat immer geregnet, alles war nass und es war sehr sehr kalt. Wir hatten keine Decken. Wir wurden krank. Es gab auch hier Essen von den freiwilligen HelferInnen.
Den nächsten Tag haben wir in der Moschee in Serbien geschlafen und am darauffolgenden Tag ging es nach Ungarn. Dort war es am schlimmsten. Wir haben 400 € für einen Mann, der uns den Weg zur Grenze zeigen sollte, bezahlt. Er sagte uns, wir sollen schon mal vorgehen, er würde auf die anderen warten. Danach haben wir ihn nie wieder gesehen. Es blieb uns nichts Anderes übrig, als mit der Gruppe weiterzugehen. Wir waren sehr müde und es war sehr kalt und nass.

Irgendwo am Weg gab es viele Taxifahrer. Für 50 € pro Person sind wir nach Budapest gefahren. Von dort sind wir dann nach Wien gefahren. Wieder mit 2-3 Stunden Fußweg zwischendurch. Zuerst waren wir bei einer türkischen Familie, danach in einem Camp in Wien und dann in Traiskirchen. Dort waren 4 Familien in einem Zimmer. 2 Tage waren wir dort. Dann kamen wir in ein Mädchencamp. Dann kamen wir zum Schwarzlsee. Dort waren wir ca. 3 Monate. Ich habe jetzt ein schönes Zuhause und bin sehr dankbar dafür.

Ich mag Österreich. Es gibt keinen Krieg und die Menschen sind nett zu uns.
Für meine Zukunft wünsche ich mir, dass ich meine Ausbildung fortsetzen kann. Meine Sprachkenntnisse will ich auch verbessern. Ich hoffe mit meinem Studienabschluss werde ich später eine gute Arbeit finden. Ich will auch eines Tages meine Familie besuchen.
Mein Motto dabei lautet: ,,Wenn man etwas möchte, dann schafft man das auch!‘‘ Aufgeben gibt es nicht.

*Name geändert