Sie müssen unsichtbar sein. Unsere Italien-Reise. Ein Bericht von Dea Baralija
19. Dezember 2015

Gestern fuhren wir gemeinsam mit unseren FreundInnen des Graz:Spendenkonvoi nach Udine und Gorizia in Italien.
Wir waren sehr aufgeregt und wussten nicht was uns erwartet. Einen Abend zuvor packten wir schon unsere Sachspenden. Am nächsten Tag trafen wir uns alle im Spendenkonvoi Lager früh morgens in Messendorf und packten noch die letzten Sachspenden ein und fuhren los.

Angela Lovat, die ehrenamtlich für eine NGO namens „Ospiti in Arrivo“ in Udine tätig ist erläuterte uns die derzeitige schwierige Situation in Italien. Sie zeigte uns auch den kleinen Bahnhof, auf dem täglich über 50 Flüchtlinge schlafen. Sie können mit Decken am kalten Boden zwar schlafen, müssen jedoch den Bahnhof am nächsten Tag um 6 Uhr in der Früh verlassen.
Als wir den Bahnhof wieder verlassen wollten, trafen wir auf drei flüchtende Menschen. Sie sind Neuankömmlinge und wirkten sehr orientierungslos. Die einzige Kleidung die sie haben, ist die, die sie am Leib tragen. Wir nahmen die drei jungen Männer mit zu unserem Auto und versorgen sie erst mal mit Hygieneartikeln und Essen. Angela Lovat erklärt, dass es einen Italienischkurs für Flüchtlinge gibt und die Flüchtlinge wirkten gleich sehr interessiert. Alle drei wirkten sehr jung. Schnell fiel auf, wie selbst minderjährige Flüchtlinge in Italien auf sich allein gestellt sind.

Wir fuhren danach in ein anderes Flüchtlingsheim. Ich rechnete zumindest mit einem Flüchtlingsheim! Es dauerte lang bis uns die Tür geöffnet wurde und was wir dort antrafen war ein Zelt in einem Pfarrhof. Ich fragte, ob es beheizt ist und uns wurde erklärt, dies sei der Grund warum wir so lang vor verschlossenen Tür standen. „Manchmal funktioniert einfach gar nichts hier“, sagt ein Helfer auf Italienisch. Uns wurde erklärt, dass all diese jungen Männer am Abend hier warmes Essen bekommen und übernachten dürfen. Tagsüber müssen sie den Pfarrhof jedoch verlassen.

„Sie müssen unsichtbar sein“.

Ich versuchte mit den flüchtenden Menschen zu sprechen, jedoch konnten nur sehr wenige Englisch. Danach ging ich in die Küche und versuchte es erstmals beim „Koch“. Der Koch ist ein junger Mann, ein Flüchtling aus Afghanistan der mir mitteilte, dass es heute Nudeln gibt. Ich fragte ihn wie er heißt und wie oft er hier mithilft und er antwortete mir: „Jeden Tag, wer soll es denn sonst machen? Die Leute hier sind schon meine Freunde“. Ich war traurig wie wenig Hilfe die Menschen bekommen, jedoch auch gleichzeitig froh darüber, dass sie wenigstens einen Koch haben, der mittlerweile schon ihr Freund ist.
Es war bereits nach 17 Uhr, die Männer wirkten hungrig und hatten großteils den ganzen Tag noch nichts gegessen. Wir erfuhren, dass sie im Saal essen würden. Sonst immer alle zusammen, heute aber nur in 25-Personen Gruppen. Eine Gruppe nach der anderen, da sie den Saal nicht „verschmutzen“ sollen auf Grund einer Veranstaltung später. Man merkt wie die jungen Männer immer weniger miteinander sprechen, immer hungriger werden und einfach nicht wissen, was sie machen sollen.

Die ganze Italien Reise überschattete die Tatsache dass Flüchtlinge in Italien unerwünscht sind. Man konnte es sehen, man konnte es spüren – wenn nicht schon riechen. Sie sind allein gelassen und vegetieren vor sich hin … Die paar freiwilligen der Pfarre sind die einzigen die versuchen etwas Menschlichkeit und Verständnis den Flüchtenden gegenüber zu geben.

Wir teilten in der Zwischenzeit Nüsse aus und dachten viel nach und können noch immer nicht fassen was sich in unserem Nachbarland abspielt und wie Menschen mitten in Europa, im Jahr 2015 behandelt werden.

 

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