Infos kommen erst knapp bevor die Züge kommen. Wann und wieviele kommen, ob sie bleiben, ob nicht …. wir wussten nichts
Um 17:00 war am Bahnhof keine einzige offizielle Organisation. Die Polizei war dort. Und die ÖBB hat uns Äpfel und Kekse gespendet, als sie sahen, dass wir trotz der vielen Lunchpakete nicht alle im 1. Zug versorgen konnten. Die Kinder, die von Ljubljana kamen, hatten den ganzen Tag nichts zu essen bekommen – und wir hatten 10 min Zeit, Lunchpakete und Wasser durch die Fenster zu reichen. (Aus den 10 wurden 20, Gott sei Dank)

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Nächster Zug: Es heißt von der ÖBB: Die Flüchtlinge steigen in Graz aus. In 30 min schafft es diese wunderbare Gruppe, Essen für mehrere hundert Menschen zu organisieren. („Rufts eure Verwandten und Freunde an, denkts nach, wer kann was bringen“, so die Aufforderung … hektisches Telefonieren, die, die ein Auto haben (nicht viele) fahren einkaufen. Der Zug hat Verspätung – Noch immer keine Info. Steigen sie nun aus? Und wenn ja: Kommt ein Bus? Wo sollen sie schlafen? Es heißt, sie bleiben am Bahnhof und übernachten hier. Hier? Es gibt keine Feldbetten, niemand ist da, niemand weiß was. Decken und Hygienepakete werden aus dem Lager des IKZ (Islam. Kulturzentrum) geholt.

Letztendlich werden die Flüchtlinge dann doch mit Bussen abgeholt (mittlerweile sind 3 Rotkreuzmänner hier)
Das Essen, das wir vorbereitet haben, muss dorthin gebracht werden, wo die Flüchtlinge übernachten. Also wieder Privatautos organisieren – Das Problem: So wenige haben ein Auto (Viele HelferInnen sind von der Muslimischen Jugend – sehr junge StundentInnen also – das erste Mal in meinem Leben bereue ich es wirklich, keinen Führerschein zu haben. Ich würde sofort den ganzen Tag herumfahren)
Die Decken, die Hygienepakete – alles wieder ins IKZ Lager, denn das ÖBB Lager ist klein, darf nicht vollgestopft werden, der Gang muss geleert und sauber gemacht werden.

„Borderless: Flüchtlingshilfsaktion“ ist eine privat organisierte Plattform – sie arbeitet mit dem IKZ zusammen (das Lager wird dort betreut), die muslimische Jugend hilft vor Ort mit. Die AktivistInnen sind ein wunderbar eingespieltes Team mit einem tollen Netzwerk. Ich habe keine Ahnung, wie sie das schaffen – sie reagieren binnen kürzester Zeit – ich bin mittlerweile fast schon der Meinung, das sind keine Menschen, die kommen vom – woher kam Superman nochmals?
Sie sind zu sehr großem Teil ehemalige Flüchtlinge aus Bosnien – bzw deren Kinder. Aus den ehemaligen “ Flüchtlingskindern“ und ihren Geschwistern wurden also engagierte ÖsterreicherInnen, die heute mutig Verantwortung übernehmen . Und glaubt mir eines: Ich könnte nie so schnell 700 Sandwiches, Müsliriegel, Hygienepakete, etc, etc zusammentrommeln – warum? weil ich hinter einer geschlossenen Wohnungstür aufgewachsen bin. Das Großartige an den Menschen, die ich die letzten Tage kennengelernt habe: Die SIND eine Gemeinschaft. Und Solidarität ist für diese Menschen wichtiger als alles andere. Ich glaube, das macht sie zu diesen Super(wo)men, die sie sind.

Aber nein. Nach 3 Wochen Dauereinsatz geht sogar ihnen die Kraft aus. Es bräuchte jemand, der übernimmt. Das Problem: Man müsste die Zeit haben, die, die unerfahren sind (zB mich) einzuführen (Kontaktaustausch, wer ist wer, woher bekommst du am ehesten schnell essen, wer sind unsere Taxifahrer, auf was ist zu achten, wer verwaltet das Geld, etc) – Die Zeit ist aber nicht da. Die Super(wo)men ganz vorne sind ausgebrannt. Sie werden krank. Sie erlauben sich nicht, krank zu sein. „Haltet durch – die Menschen brauchen uns noch“, lese ich mit.

Und ich weiß: Es braucht neue Leute, die die Tageskoordination übernehmen können. Werde ich es auch schaffen, Essen binnen 30 Minuten aufzustellen? Werde ich es schaffen, zur Aktivistin zu werden?

Margarita, am 21.0.2015

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