Mirsada erzählt von ihren Erfahrungen in der Schwarzlhalle, 18.9.2015

Senida, Medina und ich fuhren mit dem Auto zur Schwarzlhalle, da freiwillige Helfer gesucht wurden, die in der Nacht mehrere Busse voller Flüchtlinge empfangen konnten. Wir kamen dort an und alles war bestens vorbereitet für die Flüchtlinge, schöne Atmosphäre. Gleich am Anfang der Halle standen drei Männer. Senida erkannte sie gleich, es waren Flüchtlinge, die selbst vor kurzem nach Österreich geflüchtet sind und nun zum Schwarzl gekommen waren, um den neuen Flüchtlingen zu helfen. Refugees for Refugees, wie schön dachte ich mir, und gleich kam ein wenig Neugier auf: Ich habe so viele Fragen im Kopf. Ich frage den Helfer, Gottseidank kann der gelernte Wirtschafsinformatiker gut Englisch, also verstehen wir uns gut. Ich frage ihn, wie seine Reise damals  war und wie es ihm jetzt – Monate danach – geht. Ich sehe in seinem Gesicht viel Trauer, Ungewissheit und ein wenig Hoffnung, ich frage ihn, wie es ihm geht, er sagt, die ganze Situation ist sehr schwer,  aber es gehe ihm gut. Ich frage, ob er denn schon einen Bescheid hat? Leider nein, noch nicht einmal ein Interview, da er erst 6 Monate hier ist und die meisten 1 Jahr aufs erste Interview warten, das macht ihm etwas Sorgen, er wusste nicht, dass man so lange auf ein Interview warten muss. Er schläft sehr schlecht und wenig, sagt er, er macht sich Sorgen um seine Familie. Das Land ist zerstört, es wächst nichts mehr, man kann nichts mehr anbauen, als ob die Erde in Syrien tot wäre, es herrscht viel Hungersnot. Die Menschen haben die Hoffnung auf Frieden nach 5 Jahren Krieg verloren und beginnen jetzt in Strömen das Land zu verlassen, da es keine Hoffnung mehr gibt. Seine Frau und beiden Kinder sind nicht bei ihm. Ich frage ihn, wieso er sie nicht auf die Flucht mitgenommen hat, er klärt mich auf, das Geld reichte nur für eine Person, solch eine Reise könnten sich nur Wohlhabende leisten oder jene, die sich das Geld ausborgen können. Der zweite Grund: Die Reise ist gefährlich. Auf der Flucht musste er in Bergen und Höhlen schlafen, über das große Meer, kilometerweit zu Fuß und am Weg waren viele Räuber und Raubtiere. Er hat seine Familie bei Verwandten in Obhut gelassen, denen er für 3 Monate Verpflegungsgeld gegeben hätte – mehr hatte er nicht. Seine Familie hatte ihn überredet zu gehen, in der Hoffnung, dass er es schaffen würde und sie nachholen könne. Damit seine Kinder zur  Schule gehen und ein friedliches, normales Leben führen können. Nichts mehr hofft er sich für seine Familie, der er versprochen hat, dieses Leben für sie zu ermöglichen. Jetzt fühlt er sich schuldig und  hilflos, denn mit den Behörden geht  alles so langsam und jeden neuen Tag sei alles genauso ungewiss wie am Tag zuvor. Er vermisse seine Familie sehr. Das sehe ich ihm auch an, der Schmerz drückt sich in seinem Gesicht und seiner Körperhaltung aus. Als ein Bus mit Flüchtlingen ankommt, hilft er ihnen heraus. Da ist auch  ein kleines Mädchen das er der Mutter abnimmt. Er beginnt zu weinen. Die Kleine erinnert ihn an seine eigene Tochter, verrät er.

Das ist nur ein kleines Schicksal von vielen anderen. Redet mit den Flüchtlingen, zeigt euer Mitgefühl, diese Menschen brauchen uns mehr denn je.

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